Dem EURIBOR läuft die Zeit davon

Zu Jahresbeginn feierte mit dem EURIBOR die bedeutendste Benchmark des europäischen Wirtschaftsraums seinen 20. Geburtstag. Zeit zum Feiern bleibt dem European Money Markets Institute (EMMI), das den EURIBOR ermittelt, nicht. Denn durch die Benchmark-Verordnung hat der EU-Gesetzgeber Vorschriften geschaffen, die eine EURIBOR-Reform unvermeidbar machen.

Die Benchmark-Verordnung soll Manipulationen von Referenzzinssätzen vermeiden. Konkret sieht sie etwa vor, dass Administratoren von Referenzzinssätzen eine Zulassung benötigen. Außerdem stellt sie strenge Anforderungen an das Verfahren zur Ermittlung einer Benchmark. Diesen genügt der EURIBOR aktuell nicht. Im Fokus des EMMI steht daher der Wechsel auf ein mehrstufiges, hybrides Verfahren, das mit der Verordnung konform wäre.

Für die Zukunft bedeutet das: wenn der EURIBOR bis Ende 2021 der Benchmark-Verordnung nicht genügen sollte, darf kein Neugeschäft abgeschlossen werden, das sich auf ihn bezieht. Da die Verordnung auch Referenzzinssätze aus Drittländern (zB benchmark interest rate der US Federal Reserve) trifft, ist die Lage für Banken brisant. Die EZB hat jedoch bereits angekündigt, ab Oktober den Referenzwert €STR zu publizieren. Abhilfe naht also.