Die Last der kapitalgesellschaftlichen Führungsorgane: Geschäftsführer tragen viele Haftungsrisiken

Im Frühjahr 2015 unterbreitete eine Konzerngesellschaft (Käufer) einer GmbH (Verkäufer) ein unwiderrufliches Kaufangebot über eine Liegenschaft in Wien. Haus und Grundstück hatten einen Wert von über einer Million Euro. In dem Angebot war unter anderem festgelegt, dass die Immobilie, im Fall einer Annahme, von der verkaufenden GmbH bis zur Eintragung ins Grundbuch nicht veräußert werden dürfe. Der Geschäftsführer der GmbH nahm das Kaufangebot an. Zwei Wochen später teilte er dem Käufer jedoch mit, er würde von dem Kauf zurücktreten.

Die Liegenschaft wurde an eine andere Gesellschaft verkauft. Folge: Die Konzerngesellschaft, die das Gebäude ursprünglich erwerben wolle, erlitt einen Schaden, der sich aus entgangenem Gewinn und nutzlosen Aufwendungen zusammensetzt. Sie klagte die GmbH auf über 700.000 Euro. Der Rechtsstreit ging bis vor den Obersten Gerichtshof (OGH), der im November 2018 entschied, dass der Klage stattgegeben wird (4Ob222/18b). Nach § 1295 Abs 2 ABGB handle es sich bei vorliegendem Fall um sittenwidrige Schädigung und der Kläger ist auszuzahlen.

Der OGH entschied des Weiteren, dass der Geschäftsführer den Abschluss des Vertrages vereitelt und somit den Kläger vorsätzlich geschädigt hat. Damit haftet er den Gläubigern seiner Gesellschaft mit seinem Privatvermögen. Der Fall zeigt auf, dass das Haftungsrisiko und die große Verantwortung von Geschäftsführern definitiv nicht zu unterschätzen ist.

Christopher Schrank / Gregor Oberschmidleitner